Die Emscher - Ein Fluß im Wandel

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Der Bolf

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Eine Besonderheit des Ruhrgebietes stellt die Emscher dar. Die Emscher ist ein Fluß, der in Holzwickede entspringt und nach ca. 80 km im Rhein mündet. Das Besondere an dem Gewässer ist die Tatsache, dass es als offener Abwasserkanal benutzt wird. Wenn es richtig warm draußen ist, stinkt dieser Fluß schon mal zum Himmel. Hier fließen die einzelnen Abwasser der Industrie und der Privathaushalte zusammen. Normalerweise werden die Abwässer durch Rohre unterirdisch abgeführt. Im Ruhrgebiet geht das aber nicht. Der Untergrund ist löchrig wie ein Schweizer Käse durch die vielen Schächte des Kohleabbaus. Entsprechend sackt das Gebiet ab. Dort wo ich wohne, sind weite Gebiete bis zu 30 Meter abgesackt. Man kann sich vorstellen, was das bedeutet, wenn man das Abwasser durch Rohre geleitet hätte. Die hätten dieses Absenken des Bodens nicht mitmachen können.  Aus diesem Grunde hat man die Emscher und auch ihre Zuflüsse zu offenen Abwasserläufen gemacht. Noch ein weiteres Phänomen ergibt sich aus der Bodenabsenkung. In den alten Schächten sammelt sich Grubenwasser, welches ständig abgepumpt werden muss. Einerseits, damit es sich nicht mit dem Grundwasser vermischt und andererseits, damit die abgesackten Gebiete nicht absaufen. Das Grubenwasser wird ebenfalls in die Emscher geleitet. Ohne diese Pumpen wären weite Teile des Ruhrgebietes eine Seenplatte.

Nachdem es nun keinen Bergbau mehr gibt und die letzte Zeche (Prosper-Haniel in Bottrop) Ende des Jahres schließt, ist auch die Gefahr durch weitere Absenkungen nicht mehr gegeben. Im Zuge eines Jahrhundertprojekts beginnt die Emschergenossenschaft, ein Zusammenschluß verschiedener Städte, mit der Renaturierung der Emscher und aller ihrer Zuflüsse. Es wird ein gigantischer unterirdischer Abwasserkanal gebaut, der von Dortmund bis Dinslaken reicht. Dazwischen sorgen gewaltige Pumpwerke dafür, dass auch ein gleichbleibendes Gefälle vorhanden ist. Wie schon erwähnt, sind ja weite Gebiete abgesackt, was für Flüssigkeiten nicht so gut ist, da sie nicht bergauf fließen können. Das Teilstück von Dortmund bis zum Klärwerk Bottrop ist bereits fertig und soll voraussichtlich in diesem Jahr in Betrieb gehen.

Nun aber genug von der einführenden Theorie. Es wird Zeit, auch etwas für das Auge zu bieten, damit der Leser sich auch visuell ein Bild machen kann. So nach und nach werde ich Bilder von der Emscher hier einstellen. Ich bin den Fluß schon abgefahren von der Quelle bis zur Mündung. Ich fange mal mittendrin mit dem Klärwerk Bottrop an.

Direkt am Klärwerk ist ein kleiner künstlicher Wasserfall. Der sorgt durch seine Engstelle für eine erhöhte Durchflussgeschwindigkeit und Sauerstoff. Es verhindert, dass das Wasser penetrant stinkt. Von oben auf dem Deich könnte man annehmen, das Wasser da unten wäre sauber. Aber das ist ein Trugschluß.

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In der Nahaufnahme sieht man deutlich, wie trübe das Wasser ist. Das eigentlich schlimme sind aber nicht die Dreckpartikel, die man sieht. Das was man nicht sieht, ist weitaus gefährlicher. Ich habe mir sagen lassen, dass der Emschercocktail aus ca. 200 Chemikalien besteht.

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Man könnte annehmen, in Reichweite des Klärwerks würde es mächtig stinken. Tut es aber nicht. Rund um das Klärwerk mit seinen 4 Faultürmen ist Wohnbebauung und die Leute wohnen gerne dort. So mancher stellt sich bestimmt auch die Frage, warum ich mir das antue, an so einem stinkendem Fluß entlang zu fahren. Okay, die Frage ist berechtigt. Es gibt Stellen, da ist es wirklich nicht angenehm. Aber das sind nicht viele. Der Emscher-Radweg ist eine vielbesuchte Route, weil es hier viele spannende Dinge zu sehen gibt. Das kann nicht jeder Fluß bieten. Und genau über diese spannenden Dinge an der Emscher will ich in loser Folge berichten.Das Klärwerk gehört jetzt zwar nicht zu den beindruckensten Blickfängen auf dieser Tour, aber es ist Teil davon. Deshalb hier ein paar Bilder.

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Nur ein kurzes Stück weiter, hinter dem Klärwerk Bottrop, ist der Bernepark. Die Berne ist ein Abwasser-Zufluß zur Emscher. An der Mündung der Berne zur Emscher befand sich ein Klärwerk, eben der Bernepark, welches von der Emschergenossenschaft schon lange außer Betrieb genommen worden ist. Dort wo früher die Abwässer gereinigt wurden, blühen jetzt Blumen oder wie in becken Nr. 2 schwimmen Goldfische. Man kann jetzt nicht nur gut essen im Hotel am Bernepark. Das Besondere ist hier, dass man in einem Abwasserrohr schlafen kann.

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In den Röhren sind Betten eingebaut. Es gibt ein Oberlicht und vorne eine Tür. Die Übernachtung ist ein richtiges Abenteuer. Meist sind die Röhren an den Wochenenden schon weit im voraus ausgebucht. Die Übernachtung selber ist an sich kostenlos. Es wird eben nur um Voranmeldung gebeten und jeder zahlt nur das, was es ihm wert war. Feste Preise gibt es nicht.

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Nur ein paar hundert Meter neben dem Bernepark wird es unter einer Autobahnbrücke schön bunt. Wie oft bin ich früher oben auf der A 42 entlang gebrettert und habe nicht geahnt, dass es unterhalb der Brücke auch noch was schönes gibt. Im Rahmen der Emscherkunst 2013 ist dort eine Schafherde hingestellt worden, die bis heute keinerlei Vandalismus ausgesetzt war. Das alleine ist schon ein Wunder.

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Neben der Schafherde ist die Brücke noch mit Bildern verziert worden. Unter anderem ist die historische 5-Pf-Brücke zu sehen. Früher mussten die Bergleute von Bottrop-Ebel 5-Pf Gebühr bezahlen, wenn sie über die Brücke wollten. Die alte Brücke gibt es nicht mehr und die neue Brücke kann kostenlos überquert werden.

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Die Pfeiler der Autobahnbrücke wurden von Bürgern und Kindern des Stadtteils verschönert. Auch hier sind keinerlei Zeichen von Vandalismus zu erkennen.

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Neee, was ist das schön, Rentner zu sein. Früher habe ich sowas gar nicht erst zu Gesicht gekriegt.
 
Hallo Rainer,

ser interessanter Bericht über die Emscher. Sehr interessant ist für mich, dass die Abwässer teilweise ungeklärt abfließen, oder, habe ich da etwas missverstanden?

Gruß Andreas
 
Die Abwässer fließen offen, werden aber unterwegs in Richtung zum Rhein geklärt. Die Kläranlagen sind allerdings überfordert, wenn die Emscher Hochwasser führt. Dann schaffen es die Klärwerke nicht. Die Abwasser fließen dann ungeklärt in den Rhein.

Hier ein Video von der Emscher bei Hochwasser, wo alles ungeklärt in den Rhein abfließt.

Viele Grüße

Rainer Bolf
 
Nun mache ich einen Schlenker zur Emscher in Gelsenkirchen. Zwischen dem Rhein-Herne-Kanal an der Schleuse und der Emscher und der BP-Raffinerie befindet sich die sogenannte "Wilde Insel". Es ist ein dicht bewachsenes Plateau, dass im Jahre 2010 Teil der Emscherkunst war, die entlang des Flusses einen Sommer lang präsentiert wurde.

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Oben auf dem Plateau hat man einen guten Ausblick auf die Schleuse ...

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... und auf die Raffinerie der Ruhr-Oel AG.

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Ca. 200 m westlich von dem Plateau stößt man dann auf das Kunstwerk aus dem Jahre 2010, welches als eines der wenigen Monumente stehen geblieben ist. Es handelt sich um eine Nachbildung der Felsformation Joshua Tree in L.A., Kalifornien.

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Das Besondere daran ist nicht nur die Nachbildung. Aus dem Felsen erklingt auch Musik von der schottischen Gruppe Mogwai, die Emscher-Sinfonie.

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Damals wollte ich dann auf diesem Weg weiter Richtung Westen, musste aber vor einem Bauzaun kapitulieren. Die Emscher befindet sich nun mal auf der gesamten Länge in einer Phase der Renaturierung und hat auch entsprechend viele Baustellen, hier ein neues Pumpwerk. Es heißt also abwarten, bis die Emscher wieder ein sauberer Fluß ist. Dann sind auch die Zäune weg.

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Vielen Dank für die interessanten Hintergrundinfos. Von den Schlafröhren haben wir schon mal im Fernsehen einen Bericht gesehen. 

Auch ist es wirklich erstaunlic, das insbesondere die Schafe noch heile sind. Letztes Jahr gab es die Skulptur-Projekte in Münster und während diese noch liefen wurden bereits die ersten Kunstwerke zerstört.

Unser Forum : ausflugtipps.homesites.de
 
Nicht umsonst ist der direkte Uferbereich der Emscher durch Zäune abgesperrt. Der Aufenthalt in der Nähe des Wassers kann brandgefährlich sein und das nicht nur bei Hochwasser. Obwohl die Emscher in einer Betonschale fließt bzw. von Steinen und Steinplatten umrahmt ist, hat sich im Laufe der Jahrzehnte eine dicke Schlammschicht gebildet. Wenn es nicht gerade regnet, dann ist die Emscher eher seicht, wie man hier unschwer in Höhe des Zoom (Zoo) in Gelsenkirchen erkennen kann. Ein Tier, welches hier in die Emscher fällt, hätte vielleicht noch irgendwie eine Chance, ans Ufer zu kommen.

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Weiter oben in Höhe des Nordsternparks sieht es schon anders aus. Das Ufer ist steiler und ziemlich glitschig. Hier ist es unmöglich, ohne fremde Hilfe wieder rauszukommen. So muss es wohl auch diesem Fuchs ergangen sein. Es sieht fast so aus, als ob er einen Schluck Wasser aus der Emscher trinken wollte. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie er um sein Leben gekämpft haben muss, bevor er hier angeschwemmt wurde. Armes Tier!

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Und hier noch ein weiterer Ekelbeitrag über die Emscher. Ich schreibe das nur aus dem Grund, damit man auch nachvollziehen kann , warum die Emscher überhaupt so interessant ist und warum die 5,2 Milliarden Euro, die in den Fluß und ihre Zuflüsse investiert werden, gut angelegt sind.

Früher hätte mich sowas nie gestört. Für mich war die Emscher ein Fluß, der sämtlichen Abfall von Fabriken und Privatleuten transportierte. Der Fluß hatte gestunken und ich habe es als gegeben hingenommen.
Seit aber damit begonnen wurde, die Emscher und ihre Zuflüsse zu renaturieren, bin ich etwas sensibler geworden. Ich muss gestehen, es hat mir nicht gefallen, was ich da von der Brücke aus gesehen habe. Vom Gelände der BP-Raffinerie schwappte eine Welle roter Flüssigkeit in die Emscher. Die Flüssigkeit war geruchlos, zumindest kam nichts bis zur Brücke durch. Es dauerte nur ca. 1 Minute, dann war es wieder vorbei mit der Einleitung.
Ich weiß, ich bin bekloppt, wenn ich mir Gedanken bei einem Fluß mit einer solchen Historie mache. Aber trotzdem hoffe ich inständig, dass da nichts gefährliches eingeleitet wurde. 

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Seit 2010 finden alle 3 Jahre künstlerische Aktionen am Rande der Emscher statt. Die letzte Emscherkunst fand im Jahre 2016 an verschiedenen Stellen, von Dortmund bis Castrop-Rauxel, statt.

Sonntag, 16.Juni 2016

Eigentlich wollte ich bei der Hitze nirgendwo hin. Aber zu Hause ausharren ist auch nicht mein Ding. Ich bin dann eine Tour gefahren, wo ich schnell und vor allem trocken wieder nach Hause komme. Es sind schwere Gewitter für heute angesagt worden.
Ich dachte so bei mir, besuche doch einfach mal den Künstler Ai Weiwei, der mit seinen Zelten bei der Emscherkunst am Emscherquellhof vertreten ist. Vorweg die Info, er war nicht da. Keine Ahnung, wo der sich zur Zeit rumtreibt.
Mit dem Zug bin ich nach Dortmund gefahren. Dabei habe ich die Bestätigung erhalten, dass auch Zugführer während der Fahrt auf dem Handy rumwischen. In Dortmund hatte ich die Wahl, gleich in den Zug nach Holzwickede umzusteigen oder mit dem Fahrrad dorthin zu fahren. Ich entschied mich für letzteres. Vorher habe ich mir am Fußballmuseum noch eine Bratwurst im Brötchen gegönnt. Es war sogar eine Biobratwurst vom Schultenhof.

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Am Dortmunder U-Haus war ein Stand von der Emschergenossenschaft. Da habe ich mir einen Fahrradführer gekauft, der mich zu den einzelnen Kunststationen lotsen sollte. Aber zunächst wollte ich über Hörde zum Emscherquellhof nach Holzwickede. Dieses Stück Emscher war mir nämlich unbekannt und fehlte mir noch. Danach konnte ich dann sagen, dass ich den gesamten Emscherlauf schon mit dem Rad abgefahren bin. Den Rest der Emscherkunst hebe ich mir dann auf. Der Sommer ist ja noch lang.
Das erste Problem ergab sich mit der Beschilderung. Laut  Broschüre ist der Weg ganz neu durch orangefarbene Wegweiser ausgeschildert worden. Die sahen so aus wie dieses hier, manchmal aber nur ohne Hinweis auf die Emscherkunst und ganz einfach nur mit einem Pfeil versehen.

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Entweder sind an einigen Stellen die Schilder geklaut worden oder ich habe sie vielleicht übersehen. Bei anderen hatte ich das Gefühl, ein Scherzkeks hat die Schilder mit den Pfeilen umgedreht. Einmal bin ich einen Mörderberg raufgefahren bzw. ich habe mein Fahrrad raufgeschoben. Der Berg war einfach zu steil. Hinterher habe ich gemerkt, dass ich falsch war. Kotz, brech, was habe ich bei der Affenhitze heute geflucht.
Und dann hatte ich es endlich geschafft. Ich hatte den Emscherquellhof erreicht. Natürlich lag der auf einer Anhöhe, d.h. ich musste mich ordentlich abrackern, um da rauf zu kommen. Das schlimme daran war, dass man dem Weg nicht ansah, dass es stetig bergauf ging. Es war ja nicht steil. Aber wenn man über einige Kilometer immer bergauf fährt, plant man im Geiste schon die nächste Tour weiter nördlich, wo es keine Berge gibt.

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Das erste, was ich nach meiner Ankunft tat, das war nach der Emscherquelle zu suchen. Ich habe sie nicht gefunden. Dafür aber so eine Art Pfütze, die gerade so eben in Bewegung war. Es war unterwegs schon ziemlich frustierend, die Emscher wohl zu erahnen, aber nicht zu sehen. Die war so schmal und stark bewachsen, dass ich besser weggekommen wäre, wenn ich mir vor der Haustür die Alte Mühlenemscher angesehen hätte. Der Anblick wäre der gleiche gewesen, nur eben nicht so weit weg. Ich habe mich also nur ganz kurz diesem Rinnsal gewidmet, das sich Emscher nennt. Später habe ich mir sagen lassen, dass die Emscherquelle aus mehreren kleinen Rinnsalen besteht, die in einem Teich hinter dem Haus zusammenfließen. Na ja, von fließen kann kaum die Rede sein.

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Ein klein wenig frustiert, wirklich nur ein klitzekleinwenig, habe ich mir erstmal einen Kaffee und einen Erdbeerkuchen mit Sahne gegönnt. 4 Euro 30 hat das gekostet. Da gibt es nichts zu meckern. Frisch gestärkt habe ich dann meine Besichtigungstour gestartet. Ich wollte ja die Emscherkunst sehen.
Haben wir eigentlich keine eigenen notleidenden Künstler? Müssen wir jetzt auch noch welche aus China importieren, so wie Ai Weiwei? Ich habe seine Zelte ...,  pardon ..., seine Kunstwerke sofort entdeckt.

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Man kann übrigens in den Zelten übernachten. Die Nacht kostet 15 Euro für die erste Person. Die zweite Person zahlt 5 Euro. Es ist eine billige Art zu übernachten. Aber geht man ein Stück weiter, sieht man auch warum. Ein anderer Künstler hat dort ein paar Meter weiter zwei Gestelle mit Kästen hingestellt. Das sind Insekten-Behausungen. Hier die Zelte, dort die Insekten... Na, klingelts, warum das Übernachten so billig ist? Für 15 Euro dient man auch noch als Nahrungsquelle für blutsaugende Insekten.

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Ich habe mich dann auch nicht mehr lange auf dem Quellhof aufgehalten. So toll ist er ja nicht, dass es sich lohnen würde. Stattdessen bin ich nach Holzwickede rein und mit dem Zug wieder zurück gefahren. Der Himmel sah teilweise schon sehr bedrohlich aus. Ich hatte ursprünglich vor, weiter südlich zur Ruhr zu fahren und dann flußaufwärts noch etwas zu radeln. Aber wenn ein Gewitter im Anmarsch ist, sollte man das besser nicht tun.
 
Es ist schade! Die Bewerbung der Emscherstädte um die Landesgartenschau 2020 ist leider in die Hose gegangen. Allerdings trauere ich nicht der Landesgartenschau nach sondern dem Trubel und den vielen Aktionen, die damit einhergehen. Schließlich bin ich jetzt Rentner und kann sozusagen "immer" und wäre fast jeden Tag dabei gewesen. So bleibt mir nur die Emscher an sich, die bald wieder fast so sein wird, wie sie früher einmal war. Einen kleinen Vorgeschmack habe ich ja bereits bekommen, als ich mich in Richtung Emschermündung begeben habe.

Was da unten auf dem Bild so vor sich hinplätschert, das ist tasächlich die Emscher. Hier hat dieser Fluß gar nichts mit dem Gewässer gemein, welches durch Gelsenkirchen fließt. Würde ich jemandem erzählen, ich hätte mir nach einer Reifenpanne die Hände in der Emscher gewaschen, so würde er mich für bescheuert erklären. Es war aber wirklich so gewesen. Ich befand mich zwischen Dortmund-Mengede und der B 1.

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Kurz vor dem See in Dortmund-Hörde habe ich dann das hier gesehen. Da bekommt man doch gleich Gänsepelle, wenn man sowas liest.

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Hier eine Brücke über die Emscher. Zuletzt habe ich sowas gesehen, als ich in Österreich in den Bergen Urlaub gemacht hatte. Da gab es auch so eine Brücke, die in die Klamm führte.

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Eine Klamm hat die Emscherregion nicht zu bieten. Aber der Fluß schlängelt sich nicht nur durch offenes Gelände. Gleich hinter der Brücke fließt die Emscher durch einen dichten Wald. Und, oh Wunder, man kann bis auf den Grund gucken, so klar ist das Wasser.

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Man kann nicht alles haben und vor allem kann man nicht alles ungeschehen machen, was man gebaut hat. So muss man zum Beispiel wie hier unter der Autobahnbrücke den kleinen Fluß in seiner Natürlichkeit beschränken. Man kann die Betonpfeiler der Brücke ja nicht versetzen und man muss auch die Böschung davor vor dem Wasser schützen.

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Von der Quelle bis zur Mündung ist die Welt der Emscher also wieder halbwegs in Ordnung. Bis es bei uns in Gelsenkirchen ebenfalls so ist, wird noch einige Zeit vergehen. In 2020 will man ja damit fertig sein, die Abwässer unterirdisch und seperat zu transportieren. Bis dahin müssen wir uns mit dem Anblick eines dreckigen Flusses zufrieden geben, der aber immer weniger stinkt.

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Übernachten an der Emscher

30.Juni 2016

Es gibt mittlerweile viele Möglichkeiten, direkt an der Emscher zu übernachten. Neben den Zelten von Ai Weiwei an der Emscherquelle und den Betonröhren im ehemaligen Klärwerk Bernepark in Bottrop-Ebel, gibt es auch noch einen Schlafplatz am Wasserkreuz Castrop-Rauxel. Der nannte sich "Warten auf den Fluss". Genau den wollte ich mir näher ansehen.

Als ich am Wasserkreuz ankam, wusste ich sofort auf Anhieb, was mit dem Begriff Wasserkreuz gemeint ist. Zuerst dachte ich, es wäre eine normale Straßenbrücke, die da die Emscher überquert. Aber dann sah ich plötzlich die Aufbauten eines Schiffes auf der Brücke. Es war der Rhein-Herne-Kanal, der da die Emscher querte.

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Um zu dem Kunstobjekt zu kommen, musste ich auf die andere Seite. Wie schon vor ein paar Tagen an der Emscherquelle tut sich die Emschergenossenschaft schwer, den Weg auch anständig auszuschildern. Wenn es darauf ankommt, sind die Wegweiser versteckt angebracht, damit man bloß vorbei fährt. So auch diesmal. Der Weg führte ins Industriegebiet und endete dort auch in einem Wendekreis. Von Emscherkunst war weit und breit nichts zu sehen. Irgendwo musste es aber hier sein, deshalb suchte ich intensiv nach einem Hinweis. Den fand ich dann auch endlich. Wer guckt schon auf den Schotterweg einer Firma für Werbetechnik? Aber da am Laternenpfahl ging es tatsächlich rechts rein.

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Und ganz hinten auf dem Hof der Firma sah man dann in voller Größe den Eingang zur Emscherinsel, wo das Kunstwerk steht.

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Der Weg dahin war ziemlich matschig. Der Regen der letzten Woche hatte den Boden total ruiniert. Das Kunstwerk selber sah auf den ersten Blick auch nicht so einladend aus. Mein erster Gedanke war, doch besser die Zelte von Ai Weiwei zu nehmen, sollte ich eine Übernachtung brauchen.

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Natürlich habe ich das Kunstwerk auch betreten. Ich wollte doch sehen, wie man da so wohnt.

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Die Zimmer waren sehr spartanisch eingerichtet. Man könnte auch sagen, die Einrichtung fehlt ganz. Rechts und links waren Pritschen und das war es auch schon. Dazu ein paar Leder-Matratzen, fertig ist das Fremdenzimmer. Gardinen gibt es nicht. Wer also schon immer mal spannen wollte, der kommt hier voll auf seine Kosten.

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Das Tollste ist aber das Badezimmer, wenn man das mal so nennen darf. Man kann sich bequem mit seinem Nachbarn unterhalten, während man eine Dröhnung in den Pott abseilt. Und auch das Waschbecken ist eher für ein ganzes Rudel Öko-Freaks konzipiert, die Freude an dieser Art zu leben haben. Wobei... Waschbecken ist nicht die richtige Bezeichnung für das Ding. Es ist eher ein Trog. Es würde mich auch nicht wundern, wenn statt normalem Leitungswasser Emscherwasser aus den Hähnen kommt.

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Irgendwie bin ich froh, dass ich jetzt auf mein Fahrrad steigen und nach Hause fahren kann. Zu Hause, das heißt ordentliche Zimmer mit ordentlichen Möbeln. Ein letzter Blick zurück bestätigt mir, dass ich nicht neidisch bin auf das Panorama, welches sich den Gästen dieses komischen Kunstwerks präsentiert. Meiner Abneigung gegen diese Art des Übernachtens zum Trotz, waren die Zimmer alle ausgebucht bis zum Herbst. Nun ja, wer es braucht ...!

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Dieses Kunstwerk wurde Ende 2016 abgebaut und tauchte dann im Sommer 2017 im Rahmen der "Grünen Hauptstadt Europas" der Stadt Essen wieder am Nordsternpark, unterhalb der Schurenbachhalde auf der Emscherinsel auf.
 
Der Gülle-Springbrunnen und die Geschichte des Klosetts

Sachen gibt es, die gibt es gar nicht. Es gibt so tolle Springbrunnen auf der Welt. Selbst mitten in Gelsenkirchen ist so einer bei uns am Stadttheater. Der ist wirklich toll anzusehen.

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Am Umspannwerk in Recklinghausen ist aber ein Springbrunnen, der wohl einmalig sein wird. Er steht mitten in der Emscher. Was für Gedanken hat der Künstler wohl gehabt, als ihm dieses Kunstwerk in den Sinn kam?

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Wenn ich nach den Gedanken des Künstlers frage, so hat das einen Grund. Weiter stromauf in Sichtweite ist nämlich noch so ein Kunstwerk des gleichen Künstlers, welches im Zusammenhang mit dem Springbrunnen steht. Von der Brücke kommt kontinuierlich ein dicker Wasserstrahl. Damit drückt der Künstler die Bedeutung des Flusses als Abwasserkanal für Toilettenabfälle aus, und zwar ziemlich frivol-rustikal, wenn man das so nennen darf.

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Die Emscherkunst an dieser Stelle beschränkt sich aber nicht nur auf den Fluß selber. Zunächst wird man dort, wo der Wasserstrahl von der Brücke kommt, per Lautsprecher beschallt. Eine Stimme gibt ohne Pause die Zusammensetzung des Emscherwassers bekannt. Da gehen die Gedanken eher in Richtung Chemiewerk als in einen Abwasserfluß.

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Wie an jeder Emscherkunst-Station steht auch hier ein sogenannter Kunst-Scout. Der erklärt dann einiges dazu. Bei diesem miesen Wetter, welches wir zur Zeit haben, habe ich den Scout in der Regel ganz für mich alleine. Aber es war zumindest an dieser Stelle gut, dass er da war. Er hat mir erklärt, dass hier das WC in allen Variationen das Thema ist. So wäre ich nie von alleine darauf gekommen, dass die vielen Dixie-Klos Teil eines Kunstwerkes sind. Ich hatte angenommen, dass die Klos für die Besucherscharen bei gutem Wetter gedacht sind. Und insgeheim war ich froh, dass ich nicht gefragt habe, ob man die auch benutzen darf. Stattdessen habe ich nun jedes einzelne mal geöffnet und mir die Inhalte angesehen.

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Der Kunst-Scout belehrte mich aber, dass in den Dixis die Geschichte der Klos von der Antike bis jetzt ausgestellt ist. Obwohl es ja ein anrüchiges Thema war, fand ich die Ausstellung genial. Hier mal ein paar Impressionen.

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Es waren ziemlich viele Klohäuschen, die es zu öffnen gab. Nur eines blieb zu. Wenn man versuchte es zu öffnen, erklang von innen ein "Besetzt" in allen möglichen Sprachen. Ich habe natürlich nicht alle Inhalte der Toilettenhäuschen fotographiert. Es würde auch den Bericht zu sehr überfrachten, wenn ich alle hier reinbringen wollte. Ort der Ausstellung war das Umspannwerk in Recklinghausen, direkt am Stadthafen.

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Die haben doch ´nen Vogel ...

19. Juli 2016

An der Grenze Castrop-Rauxel-Ickern und Dortmund-Mengede hat die Emschergenossenschaft ein riesiges Hochwasser-Rückhaltebecken gebaut. Das ist schon einige Jahre her und mittlerweile hat sich die Natur dort breit gemacht. Viele seltene Vogelarten haben dort einen neuen Lebensraum gefunden. Sowas ähnliches wünsche ich mir für die Emscher auch in Gelsenkirchen, wenn die Renaturierung mal abgeschlossen ist.

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Oberhalb des Rückhaltebeckens restauriert die Emschergenossenschaft einen ehemaligen Bauernhof. Er wird wohl ebenso hergerichtet wie der Quellhof und der Hof an der Mündung in den Rhein. Hier kann man toll spazieren gehen und der Hof wird sich mit der richtigen Gastronomie bestimmt selbst tragen.

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An dem Bauernhof gibt es aber noch ein Kunstwerk, das ich richtig gut finde. Es heißt schon was, wenn ich so eine Aussage treffe, da ich ein anerkannter Kunstbanause bin. Aber zunächst habe ich mich gefragt, was das für ein röhrenförmiges Gebilde ist, welches da auf einem kleinen Hügel stand.

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Als ich es näher in Augenschein nahm, war ich begeistert. Ein Kunst-Scout bewachte das Teil und erzählte mir auch was dazu. Es war eine Beobachtungs-Station für Ornithologen. Die hatten von hier aus einen perfekten Blick auf das Rückhaltebecken und auf die seltenen Vögel dort.

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Ich war angenehm überrascht, als ich die Station besichtigte. So ist manche Wohnung nicht eingerichtet wie diese Station. So richtig gemütlich! Natürlich durfte ich auch reingehen und mich drinnen umsehen.

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Durch die großen Fenster an der Röhre konnten die Ornithologen dann alles beobachten und dokumentieren.

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Diese Beobachtungs- Station war Teil der Emscherkunst. Nicht ein einziges Mal kam mir der Gedanke, diese Form der Kunst mal kritisch zu hinterfragen. Warum sollte ich auch? Mit dieser Station konnte ich etwas anfangen und sie erfüllte auch noch einen einen sinnvollen Zweck.
Nur ein paar hundert Meter weiter war das schon wieder anders. Da konnte man die Wellenbrecher bewundern, die mitten im Rückhaltebecken aufgestellt worden sind.

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Angeblich soll man sehen, dass die Wellenbrecher die Umrisse der Arche Noah darstellen. Dazu muss auf den Turm steigen, der rechts im Bild zu sehen ist. Ich bin da nicht raufgegangen, weil es mich herzlich wenig interessiert hat, wie die Wellenbrecher formiert worden sind.

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Angesichts dieser Betondinger inmitten einer Naturlandschaft frage ich mich zum wiederholten Male, ob das wirklich sein muss. Vor allem, wer bezahlt diesen Mist eigentlich? Die Wellenbrecher sind ja bestimmt nicht billig und die Künstlerin bestreitet durch diese Verarsche ihren Lebensunterhalt. Aber lassen wir das besser.
 
Das Raumlabor und der gelangweilte Scout

6. Juli 2016

So langsam nähere ich mich dem nächsten Punkt meiner Tour durch die Emscherkunst. In Dortmund-Dorstfeld, neben der renaturierten Emscher, steht das Raumlabor. Es sieht gar nicht aus wie ein Raumlabor, eher wie ein Haufen Exkremente, das jemand hinterlassen hat.

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Was das jetzt genau darstellen soll, weiß ich nicht. Es nennt sich Raumlabor "Zur kleinen Weile" und schimmert oben am Zipfel golden. Nun war das Ding ja begehbar und ich war gespannt, was ich da drinnen vorfinden würde. Ich war so naiv und glaubte, es war ein Haufen begehbare Kacke, ähnlich wie es begehbare Herzen oder sowas ähnliches gibt. Es würde zum Thema Emscher und Abwasser passen. Aber nichts da. Ein Blick durch das Loch offenbarte, dass drinnen nichts war, außer ein Hohlraum mit Löchern, damit das Regenwasser abläuft. Künstler sind schon ein eigenartiges Volk.

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Ich bin natürlich in das Gebilde reingegangen, weil ich dachte, dann macht es eventuell in meinem Kopf "Klick".  Das Innere hatte die Form einer Kugel und das Stehen darin war nicht angenehm. Aber die Akustik war genial. Ich habe da drinnen meinen Atem richtig laut rasseln gehört. Hier wurden die Töne durch die geometrische Form enorm verstärkt und zurückgeworfen.

Nur ein paar hundert Meter weiter war noch ein Kunstwerk. Ich wäre fast daran vorbeigefahren, weil ich das nicht sofort als Kunst erkannt hatte. Es nennt sich Kunstpause und ist versteckt in einem Haselnusshain.

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Nun denn, ich habe mein Fahrrad abgestellt und bin mal den Steg langgelaufen.

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Mittendrin, total versteckt, hockte der obligatorische Kunst-Scout mit seinem ebenso obligatorischen organgefarbenen Shirt und wischte auf seinem Handy rum. Keine Ahnung ob er froh war, dass mal jemand kam und Fragen stellte. Sicher war aber, dass er wenig Ahnung hatte.

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Er hat sich bei mir dafür entschuldigt, dass der Pflanzenwuchs noch nicht so weit wäre und ich bis zum Herbst Geduld haben müsste. Warum er sich jetzt dafür entschuldigt hat, weiß ich nicht. Er empfahl mir dann, auf eine kleine Aussichtsplattform zu gehen, wo ich in Ruhe die renaturierte Emscher betrachten könne. Ich hielt das für eine gute Idee und bin da mal hingegangen.

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Ich weiß nicht, ob die Scouts im Winter geschult worden sind, als die Bäume und Büsche noch kahl waren. Aber ich konnte beim besten Willen nicht einen Tropfen Wasser entdecken, erst recht keine renaturierte Emscher. Ich wusste wohl, dass sie da war, gleich hinter dem Zaun. Aber dafür brauchte ich keine Aussichtsplattform. Ich sah nur Grünzeugs und eine Lärmschutzwand im Hintergrund.

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Ich habe natürlich dem Scout gesagt, dass die Emscher gar nicht zu sehen ist. Es hat ihn aber wenig interessiert. Ich nehme an, er hat seinen Text auswendig gelernt und keine Lust, das jetzt zu korrigieren. Er saß wieder da und war auf seinem Handy am Wischen. Hinterher hat er dann aber den Besen genommen und die Stege abgefegt.

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Ein wirklich sehr interessanter und ausführlicher Bericht. Schön, dass etwas gegen die Verschmutzung getan wird.

Ich (Sven) habe vor ca. 25 Jahren an Jugend forscht teilgenommen. Dabei habe ich untersucht, wie eine Stadt Einfluss übt auf die Reinheit eines Flusses der durch die Stadt floss. Es war erschreckend wieviel auch illegal eingeleitet wurde. Von der Kläranlage der Stadt wurde auch Wasser zurückgeleitet. Der Einlass war eingezäunt und offiziell wird auch erst 30 Meter nach dem Einfluss die Wasserqualität getestet. Das Rohr kam da raus wo eine hohe Fließgeschwindigkeit herrschte und nach 30 Metern waren die Grenzwerte auch eingehalten. Dann ist uns mal eine Flasche über den Zaun "gefallen" und so konnten wir rein "zufällig" auch diese Probe untersuchen. Sie war so stark mit Nitraten etc. belastet, dass unsere Messkits nicht mehr ausreichten weil sie gar nicht auf solche starken Belastungen ausgelegt waren. Sprich jeder Fisch etc. der die ersten 30 Meter einen Schluck genommen hat ist wahrscheinlich tot umgefallen.

Unser Forum : http://ausflugtipps.homesites.de
 
Ich stehe nach wie vor auf dem Standpunkt, dass man den "sauberen" Flüssen oft nicht ansieht, was für einen unsichtbaren Dreck sie mit sich führen. Wenn nicht durch das Baden, dann durch das Angeln der Fische nimmt man diesen Dreck in seinem Körper auf.

Die Emscher ist vom letzten Klärwerk in Oberhausen-Holten bis zur Mündung in Dinslaken sauber. Da die Klärwerke aber bei Hochwasser überfordert sind und das Wasser ungeklärt in den Rhein abließt, hat man an der Mündung ein Fallbauwerk errichtet. Hier stürzt die Emscher mehrere Meter ab, je nach Wasserstand des Rheins. Dadurch wird verhindert, dass Fische oder andere Wasser-Lebewesen zu ihrem eigenen Schutz in die Emscher gelangen. Wenn 2020 die Abwässer nur noch unterirdisch in die Klärwerke fließen, wird das Fallbauwerk zurückgebaut. Dafür hat man extra neben dem Bauwerk ein neues Mündungsdelta modelliert, welches anschließend geflutet wird. Erst dann können Fische und andere Lebewesen die Emscher stromaufwärts besiedeln und die Renaturierung damit aufwerten.

Bisher habe ich ja hauptsächlich von Gelsenkirchen aus über die östliche Seite berichtet, die teilweise schon naturiert ist. Jetzt werde ich mich mal in Richtung Westen begeben bis zur Mündung. Von Gelsenkirchen bis zur Mündung der Emscher in Dinslaken-Eppinghoven sind es ca. 34 km. Den kompletten Tourbericht werde ich heute wohl nicht fertig bekommen. Dafür ist er zu umfangreich.

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*Hinweis für die Administration

Die Karte ist mit "OpenStreetMap" erstellt und nicht mit "GoogleMaps". Sie unterliegt also nicht dem Urheberrecht und kann deshalb bearbeitet und veröffentlicht werden.
 
Ich starte meine Fahrt am Eingang zum Nordsternpark. Rechts sieht man noch die unschönen Schrottautos eines gewerblichen Bastlers.

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Hier in Höhe des Amphitheaters im Nordsternpark kann man rechts die blauen Emscherperlen, die überall an gewissen Punkten stehen. Neben Schautafeln sieht man auch eine Telefonnummer, die man kostenlos anrufen kann. Herbert Knebel, ein Ruhrpott-Ideal, erläutert hier die einzelnen Stationen. Die Telefonnummern stehen weder im Internet noch in irgendeinem Telefonbuch. Es steckt der Sinn dahinter, dass die Interessierten selber vorbeikommen und alles hautnah erleben. Ich begehe aber mal den Frevel und poste eine Telefonnummer, die am Berne-Park steht, da wo die Schlafröhren sind. Die Nummer ist wirklich kostenlos. 0800 367 243 707

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Unterhalb der Emscherperlen befindet sich das "Blaue Pumpwerk". Die Fassade aus blauem Glas ist quasi eine Spiegelung der oberen Plattform, die als Ausstellungsraum dient. Die Fassade wurde im Rahmen der Bundesgartenschau 1997 erschaffen. Der Ausstellungsraum ist nur noch zu bestimmten Anlässen geöffnet wie z.B. der jährlichen "Extraschicht". Vom Zweck her hat das Pumpwerk die Aufgabe, den Stadtteil trocken zu halten. Das Regenwasser muss abgepumpt werden, damit die Gegend nicht "absäuft".

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Hier sieht man die dicken Rohrleitungen, die früher das Regenwasser aus dem "Blauen Pumpwerk" in die Emscher geleitet haben. Aber das war einmal. Heute wird es unterirdisch gleich zum Klärwerk Bottrop befördert. Die Rohrleitungen sind jetzt ohne Funktion und dienen nur noch der Erinnerung.

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Neben den Pumpwerken müssen auch noch neue unterirdische Vorfluter und Sammler gebaut werden. Nur ein paar hundert Meter daneben ensteht so ein Teil. Hier werden die Röhren für den unterirdischen Vortrieb abgelassen. Diese Röhren werden übrigens vor Ort hergestellt, d.h. es wurde nur für diesen Zweck in Gelsenkirchen eine Betonfabrik errichtet, die diese fertigt. Die Wege werden so kurz gehalten und der Nachschub ist stets zeitnah vor Ort.

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Und auch diese Fachwerkbrücke ist im Rahmen der Bundesgartenschau 1997 gebaut worden. Vorher war das ja alles mal Zechengelände.

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Die ersten 500 m der Fahrt zur Mündung wären hiermit geschafft. Der rote Punkt markiert den erreichten Standort.

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Die Emscher zerschneidet zusamen mit dem Rhein-Herne-Kanal den Nordsternpark. Hier der Blick rückwärts. Wir haben das Ende des Parks erreicht und nähern uns der Stadt Essen im Stadtteil Karnap.

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Und hier kann man sehen, wie abhängig die Gewässerhöhe vom Wetter ist. Bei Regen schwillt die Emscher regelmässig an, weil im Grunde alles hier reinfließt, was links und rechts des Flusslaufes liegt. Unter anderem sind das auch die vielen Bergehalden, wo das Wasser wie im Gebirge nach unten schießt.

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Selbst die Enten haben diesen Lebensraum schon für sich entdeckt. Ob ihre Lebenserwartung aber rapide sinkt, wenn sie sich hier ständig aufhalten, kann ich nicht sagen.

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Hier an der Mündung des Schwarzbach endet auch das Rohrleitungssystem der stillgelegten Zeche Zollverein, welches das Grubenwasser in die Emscher abführt. Das Wasser ist glasklar und soll auch später nach der Renaturierung weiter eingeleitet werden. Dabei wird es ständig kontrolliert, ob nicht gefährliches PCB enthalten ist. Man hatte es unterlassen, die vielen Maschinen aus den stillgelegten Stollen wieder nach oben zu bringen. Diese Unterlassung war wie immer eine Frage des Geldes. Jetzt befürchtet man, dass die Vergangenheit uns irgendwann einholen wird und die vielen Öle und Hydraulikflüssigkeiten in den Maschinen mit dem Grubenwasser wieder nach oben kommen. Das ist allerdings widerum eine Frage der Pumphöhe, d.h. bis zu welchem Punkt man das Grubenwasser ansteigen lässt, bevor man es abpumpt.

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Hier mal ein Bild vom Schwarzbach, der an dieser Stelle in die Emscher mündet. Solche Zuflüsse, die nur noch Abwasser transportieren, gibt es zuhauf im Emschergebiet. Wir nennen sie "Köttelbecke". Auch diese Köttelbecken werden Zug um Zug renaturiert.

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Auf der anderen Seite der Brücke in Richtung Essen und Bottrop dümpelt der Emscherdampfer in der Flußmitte. Nein, es ist kein richtiger Dampfer und auch kein Boot, selbst wenn es so aussieht. In strömunsarmem und warmen Zeiten werden über dieses Teil große Mengen Luft in das Wasser abgegeben. Dadurch sinkt die Geruchsbelastung erheblich. Solche Pumpen sieht man überall entlang der Emscher dort, wo auch Wohnbebauung in der Nähe ist oder sich regelmässig viele Menschen aufhalten.

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Auf der anderen Seite der Emscher wird mal wieder eines der unzähligen Pumpwerke gebaut und Vorfluter gebaut. Dieser hier wird wohl später das Schmutzwasser des Schwarzbaches aufnehmen, dass unterirdisch zugeführt wird.

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Überall an den Ufern der Emschern sieht man auch die Abluftsysteme, die sowas wie Meßstationen sind. Ich nehme an, dass hier regelmässig die Konzentration an Grubengasen gemessen wird, die eventuell aufsteigt. Ein richtiges Abluftsstem ist das aber auf keinen Fall. Ansonsten hätte man den Bereich abgesperrt.

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Ich bin jetzt unterhalb der Schurenbachhalde angekommen. Ein kleines Stück geht es noch an der Emscher lang, bevor ich zum Rhein-Herne-Kanal rüberwechsel. Ich erspare mir dadurch das Durchfahren über Siedlungsstraßen bis hinter dem Klärwerk Bottrop. Der Emscherweg wird genau durch diese Siedlung in Essen-Karnap geführt.

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Am Essener Stadthafen endet auch der Leinpfad am Rhein-Herne-Kanal. Ich muss den Hafen umfahren. Selbst die Weiterfahrt auf der anderen Seite wäre nicht möglich gewesen. Also ging es rechts den Weg rauf.

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Es ging dann ein kurzes Stück Straße runter an den rand des Industriegebietes Essen-Vogelheim.

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Offiziell ist dieser Weg auch als Emscherweg ausgeschildert. Nur leider fährt man beim ersten Mal an dem Abzweig einfach vorbei, weil man ihn gar nicht sieht oder mit ihm rechnet. Da kann man von Glück reden, dass die Straße in einer Sackgasse endet und man auf jeden Fall zurück muss. Der Emscherweg geht auf jeden Fall sofort hinter der Brücke rechts weiter.

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Mittlerweile trifft man das häufiger, dass unliebsame Zeitgenossen meilenweit fahren, um dann ihren Müll zu entsorgen. So wie hier den alten Fernseher.

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Es geht ziemlich steil den Pfad rauf. Und besonders komfortabel ist die Straßendecke auch nicht.

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Oben angekommen bin ich endlich wieder an der Emscher. Hinter der Eisenbahnbrücke, die ziemlich eng ist, geht es rechts zum Klärwerk Bottrop. Aber da wollte ich ja nicht hin. Hier fahren übrigens noch Güterzüge. Ich nehme an, sie kommen von der einzigen noch offenen Zeche Prosper-Haniel. Das wird sich Ende des Jahres dann aber auch erledigt haben.

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Wo es raufgeht, geht es irgendwann auch wieder runter. Es wird eine kleine Schußfahrt runter nach Bottrop-Welheim.

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Gleich darauf geht es durch einen Wald. Der Weg ist angenehm kühl und tut bei der Hitze gut. Nur von der Emscher sieht man nichts mehr.

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Kurz darauf bin ich in Bottrop-Welheim und muss erst durch ein Industriegebiet fahren. Aber nur kurz.

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Die Straßen sind hier nicht unbedingt die Besten. Aber die Stadt arbeitet daran. Es wird bestimmt nicht lange dauern, dann ist auch dieses Straßenstück dran. Hinter dem kurzen Stück Industriegebiet geht es dann wieder auf die Emscherbrücke.

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Auf der linken Emscherseite geht es weiter, immer die Autobahn 42 im Blick. Wochentags kann man hier gut die Staus beobachten.

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Von hier aus komme ich nach wenigen 100 Metern an die Brücke mit den künstlerischen Grafiken und der Schafherde, die ich schon mal in diesem Thread vorgestellt hatte.

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Ich überquere die 5-Pfennigs-Brücke und fahre unter der Autobahnbrücke durch bis zum Bernepark, der nur wenige Meter weiter ist.

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Ich verzichte darauf, nochmal Fotos vom Bernepark zu zeigen. Das hatte ich ja bereits getan. Auf dieser Tour hatte ich aber das große Glück, dass die Betonröhren, in denen man übernachten kann, zum Auslüften offen waren. Diesen Blick möchte ich natürlich niemandem vorenthalten. Irgendwie sind die Röhren auch komfortabel. Dass auch zwei Leute darin übernachten können, wusste ich bis dahin gar nicht.

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Den Bernepark habe ich dann hinter mir gelassen und musste leider durch die Siedlung in Bottrop-Ebel fahren, weil der Emscherweg wegen einer Baustelle gesperrt war.

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So langsam lasse ich die Industrie hinter mir. Ich muss einen kleinen Schlenker machen und rüber zum Rhein-Herne Kanal.

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