9. November 1989 - 25 Jahre Mauerfall

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Evamago

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Ein Tag, von dem heute noch jeder weiss, wo er sich aufgehalten hat, als er dabei war, wie Geschichte geschrieben wurde.

Ein Thema, das nicht leicht hier unter zu bringen ist. Denn im Grunde passt es in jede Rubrik oder überhaupt nicht. Aber es ist ein ein, wie ich finde bedeutendes Datum.

Ein bisschen geht es mir gerade wie in meiner Schulzeit. Das Thema deutsche Teilung, die Mauer, die beiden politischen und wirtschaftlichen "Blöcke" und Systeme, schienen in jedes Schulfach zu passen. Es wurde aufgeklärt, informiert, Wissen vermittelt oder dann doch auch hier wie drüben beeinflusst? Wie sehr das merken wir bis heute. Von Ost nach West oder von West nach Ost. Westen, Osten... geht es euch auch so? - Die Begriffe geistern in den Köpfen nicht nur als reine Himmelsrichtung...

Wenn man es richtig bedenkt: Es gibt eine Generation, die die Teilung und den beginnenden kalten Krieg erlebt hat, eine Generation, die den Bau der Mauer erlebt hat und sich an die Zeit ohne das Ungetüm erinnern kann. Eine Generation, die mit der Mauer aufgewachsen ist und gelernt hat, mit ihr zu leben. Menschen die den 9. 11. 1989 miterlebt haben.
... und alle waren überrascht, fassungslos und absolut beeindruckt und sicher über glücklich, aber immer noch skeptisch ob das Ereignis wirklich wahr ist. Eine unglaubliche Nacht, die, die Welt verändert hat. Eine Revolution - ausdauernd - nicht leise aber ohne Blutvergiessen, kämpferisch aber ohne Schusswaffen. Man muss den Menschen, die das Ereignis möglich gemacht haben, grossen Respekt zollen.

Jeder hat seine eigene Geschichte zum 9.11.89, den Wochen davor und den Jahren danach. Egal von welcher Seite der Mauer. Es waren die Menschen, die Zeit und der Wille und die Sehnsucht nach Frieden und Freiheit, die die Mauer zu Fall gebracht haben.

Vergessen wir nun auch nicht die Generation, die nun ohne Mauer heran gewachsen ist und die das Land nun als Einheit erlebt. 25 Jahre Mauerfall und die heute lebenden Generationen können sich austauschen um Geschichte zu verstehen, zu erleben und zu lernen.

2014:100 Jahre nach Ausbruch des 1. Weltkrieges, dem heute die Ursache der Geschichte des 20. Jahrhunderts zugeschrieben wird. Erleben, sehen und verstehen wir, indem wir uns erinnern und darüber reden. Ich erlebe den Fall der Mauer als einen Abschluss über eine Zeit, voller Gewalt, in der die Menschen nicht geredet haben, aus welchen Gründen auch immer, ein Zeit der Militärs, der gegenseitigen Abschreckung durch immer mehr Waffen. Nein wir leben heute sicher nicht in einer friedlichen Welt, aber die Menschen die die Mauer eingerissen haben, taten dies friedlich, mit Mut, Worte, und Anwesenheit waren die Waffen.

Wie habt ihr die Nacht erlebt?

Wo wart ihr?

Welche Orte verbindet ihr mit der Nacht, des 9. Nov. 1989, der Teilung und der Wiederverinigung?

Wäre es nicht klasse, die Orte hier im Forum einzutragen? Die Geschichte dazu zu erzählen? Schliesslich zieht sich diese spezielle Nacht durch das ganze Land.

Wie gesagt, dieses Datum passt heute - 25 Jahre danach in jede Rubrik.

Viele Grüsse

Evamago
 
Ein gutes Thema Evamago,

da ich selbst erst 12 Jahre alt beim Mauerfall war sind meine Erinnerungen nicht mehr ganz so intensiv. Sandra war noch jünger, deshalb schreibe ich etwas dazu. 

Mein Onkel wohnte mit seiner Familie in Ostdeutschland und wir haben ihn regelmäßig besucht. Während dieser Besuche erlebten wir interessante Dinge. So wurde man regelmäßig beobachtet von der Polizei die vom Weiten mit Ferngläsern schaute etc. Auch durfte man beispielsweise keine Comics mit über die Grenze nehmen. So kam es, das wir Kinder immer nur ein günstiges Mickey Maus Heft mitnehmen durften. Das wurde dann kurz vor der Grenze in den Müll geworfen...

Es war also für uns Kinder immer etwas skurril, auch das wir beispielsweise immer zu Weihnachten ein Paket in die DDR geschickt haben - mit Sachen die es dort nicht zu kaufen gab.

Als die Mauer fiel, waren wir zu Hause. Aber ich weiß noch, das wir permanent den Fernseher laufen lassen haben und es eigentlich niemand glauben konnte. Auch wurden sich Gedanken gemacht wie es wohl jetzt weitergehen würde und ob man wirklich frei reisen könnte.

Soweit meine Erinnerungen. Hoffe sehr auf weitere Worte von Zeitzeugen.

http://ausflugtipps.homesites.deWie immer kann man hier schreiben ohne sich dafür registrieren zu müssen!
 
Zitat:"... Nein wir leben heute sicher nicht in einer friedlichen Welt, aber die Menschen die die Mauer eingerissen haben, taten dies friedlich, mit Mut, Worte, und Anwesenheit waren die Waffen ..."

Dieser Meinung schließe ich mich uneingeschränkt an und hoffe sehr, dass auch künftige Generationen dieses gewaltfreie Vorgehen als beispielhaft für eine friedliche Revolution zu würdigen wissen.
Den Mauerfall und die meisten der damit verbundenen Ereignisse habe ich seinerzeit in Jork im ALTEN LAND an der Elbe vor dem Fernseher verfolgt.

Meine schrägen Seiten

http://www.buch-auf-reisen.de
 
Hallo Sandra und Sven,

nach Eurer so netten Aufforderung möchte ich meine Geschichte dieses Abends schreiben.
Wir wohnten damals noch in Halle/S., was heute übrigens wieder eine Reise wert ist.

Es war Donnerstag. Unsere kurz zuvor gegründete Bürgerinitiative „Reichards Garten“ hatte wieder mal mehrere Stunden mit den Gewerkschaftsbossen des FDGB des Bezirkes Halle über die Nutzung des Gästehauses diskutiert. Auch die Verhandlungen an diesem Tag blieben nicht ohne Androhung von persönlichen Konsequenzen. Danach berieten wir noch, wie andere Probleme im Wohngebiet angegangen werden könnten. Erstmals bekamen wir an diesem Tag auch Vertreter der Schulen offiziell auf unsere Seite und beschlossen für den kommenden Donnerstag eine große Info-Veranstaltung in der Aula einer der Schulen.Als ich dann spätabends nach Hause kam und den Fernseher anschaltete konnte ich es nicht glauben. Die Ereignisse ließen uns nicht ins Bett. Wir haben mit den Menschen in Berlin mitgefiebert und mitgefeiert.Um vier Uhr morgens musste ich zur Arbeit, denn ich hatte Heizungsdienst. Bei uns im Betrieb war es so geregelt, dass morgens durch in der Nähe wohnende Beschäftigte angeheizt wurde, weil der Heizer regelmäßig „verschlief“. Am Freitag war dann nur etwa die Hälfte der Belegschaft zur Arbeit gekommen. Es wurde auch nur Notdienst gemacht, weil natürlich niemand die Ereignisse aus dem Kopf bekam. Zwischen Hoffnung und Angst war alles erlebbar. Man wusste ja nicht, was jetzt geschieht. 4 ½ Wochen vorher waren noch alle Kampfgruppen-Mitglieder unserer Firma zur Zerschlagung der Leipziger Demo abkommandiert. Die Stasi hatte noch Anfang November im Betrieb die Personalunterlagen einiger Kollegen beschlagnahmt. Dieses Tempo der Entwicklung war atemberaubend. Heute bin ich der Meinung, dass es auch nur so möglich war. So wenig wie wir überlegen konnten, so wenig konnten es auch die SED-Bosse. Das war unsere Chance.Allerdings war die Grenzöffnung auch der Anfang vom Ende unserer Bürgerinitiative. 

Viele Grüße
Winfried

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Ich freue mich sehr, über die Antworten auf den Bericht und finde es absolut spannend, wie extrem unterschiedlich die Geschichten sind.

Herzlichen Dank für eure Berichte zum Thema.

Auch ich habe den Abend vor dem Fernseher verbracht. Ganz extrem sind mir aber auch die Wochen vor dem 9. November noch in Erinnerung. Ungewissheit mit sehr viel Spannung lag in der Luft. Denn in China ist der Aufstand der Studenten blutig ausgegangen und die Erinnerung an den 17. Juni wurden lebendig, obwohl ich den Tag nur aus den Geschichtsbüchern kenne. Aber die Angst vor einem Militäreingriff war auch bei uns spürbar.

Aber das am Ende die Mauer fällt, damit hat niemand gerechnet. Allerdings waren wir alle auch so mit der eigentlichen Situation beschäftigt, dass sich niemand gefragt hat, wie die Zukunft aussehen könnte. Jeder hat immer nur gehofft, dass es nicht blutig endet. Um so grösser die Freude über den friedlichen Ausgang.

Sonnige Grüsse

Evamago
 
Schon Wochen vorher brodelte es in Osteuropa. Menschen suchten Asyl in der Botschaft der BRD in Prag; Ungarn öffnete die Grenzen nach Österreich, weil die DDR-Bürger nicht zurück in ihre Heimat reisen wollten.

Meine Tochter war im Oktober 1989 auf Abifahrt in Prag und erlebte den Ansturm auf die Botschaft mit.

Am Samstag, dem 11. November, war ich bei Freunden zu Besuch im Harz. Die Straßen waren voll von Trabbis, die Menschen fielen sich fast in die Arme. Auf dem Parkplatz vor einem Supermarkt waren Geldscheine hinter die Scheibenwischer geklemmt worden.

Zu Ostern 1990 besuchten wir Freunde in Berlin. Der Grenzübergang bei Helmstedt war so voll, dass im Radio die Meldung kam, man solle die Bundesstraße 1 Richtung Erxleben nehmen; es sei dort ein provisorischer Übergang eingerichtet worden. Bei Uhrsleben musste man aber wieder auf die Autobahn fahren. (Oder waren es die Orte Mohrsleben und Alleringersleben? Ich weiß es nicht.)

Einige Tage später auf dem Rückweg gab es keinerlei Beschränkungen mehr.

In Berlin selbst waren an vielen Stellen Fußgänger-Grenzübergänge eingerichtet worden, Berlin war auf den Beinen. Ich glaube, man sah fast nur strahlende Gesichter: Aufbruch in eine neue, gute Zeit.

 

Ich war sehr betroffen, wie schnell die Stimmung umschlug. Nicht wenige Berliner hatten genug und wollten die Mauer wiederhaben.

In Ostdeutschland schlugen gewiefte Geschäftemacher zu und nutzten die Unerfahrenheit der Menschen aus.

Wir waren die nächsten Jahre viel in „den neuen Ländern“ unterwegs und schlossen Freundschaften.

http://www.antjehansenkaeding.de
 
Trotz des geringen Echos hier im Forum fand ich das Thema interessant und wichtig.
Dafür möchte ich Danke! sagen.

Das Thema hat allerdings ein anderes historisch bedeutsames Ereignis tangiert. Den Mauerbau hätte es durch die beiden Weltkriege nicht gegeben... Alles begann vor genau 100 Jahren.

In Deutschland wird dem leider nicht so viel Öffentlichkeit entgegengebracht. Im Gegensatz dazu im belgischen Flandern. Wenn es erlaubt ist, eröffne ich dazu einen separaten Thread.

Viele Grüße
Winfried

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Änderung: Verlinkung aktualisiert weil Thread verschoben wurde
 
Hallo,

da hier nach Eindrücken rund um den 9. November gefragt wurde, möchte ich meine Eindrücke kurz wieder geben.

Ich war 15 Jahre alt und hatte am 9. November Schule. Abends, zwischen 20:00 Uhr und 21:00 Uhr saß ich in meinem Zimmer und hörte den Sender "Rias 2", als dort eine Meldung kam, die Mauer sei geöffnet worden. Ich ging zu meiner Mutter, um es ihr mitzuteilen. Sie nahm es an diesem Tag eher gelangweilt hin. Am Freitag, den 10. November, ging ich in die Schule in der Hauptstadt der DDR. Am 10. November, abends, ging meine Mutter zur Nachbarin, die ein Telefon hatte. Sie erreichte dann meine Großtante in Westberlin. Völlig euphorisch kam sie wieder und sagte zu mir: "Andreas, wir fahren zu Tante Ilse und Onkel Werner." Das waren meine Großtante und mein Großonkel. Ich war erstaunt, denn schließlich hatte ich ja an dem Sonnabend noch die Schule zu absolvieren. Meine Mutter sagte mir noch, dass man uns mit dem Personalausweis der DDR herüber in den Westen ließe. Wir standen am Sonnabend, den 11.11.1989, um 5:00 Uhr auf und fuhren gegen 6:00 Uhr mit der Straßenbahn von Berlin Weißensee zum Tränenpalast in der Friedrichstraße. Was ich dort sah: es war eine riesige Warteschlange von Menschen, die sich weit vor dem Tränenpalast bildete. Die Grenzanlagen bestanden aus einem schmalen Korridor mit zwei Türen, eine zum Herein gehen und eine zum Heraus kommen. Mehr als eine Person ging nicht durch diese Schleuse. Ich weiss nicht genau, wie lange wir standen, aber, es war schon hell, als wir den Korridor betraten. Die Zöllner haben wohl im Akkord gestempelt, jedenfalls, wir bekamen den entscheidenden Stempel für die Einreise nach Westberlin und durften den Bahnhof Friedrichstraße betreten. Wir mussten nach meiner Erinnerung am Anhalter Bahnhof umsteigen und ich erblickte eine Frau mit einer Zeitung, in der ich ein Farbfoto sah. Das beeindruckte mich, aber, meine Mutter meinte nur, ich solle ruhig bleiben, ich werde noch viel mehr sehen. Dann kamen wir auf dem Bahnhof Großgörschenstraße an, gingen aus dem Bahnhofsgebäude heraus und ich war auf einer Straße im Westen, das erste Mal. (Meine Mutter war zwei Jahre zuvor diesen Weg schon einmal gefahren) Meine Mutter hatte sich von meiner Großtante eine Wegbeschreibung geben lassen, nach der wir liefen. Ich erinnere mich an eine ältere Dame, die uns freundlich fragte: "Wollt Ihr zur Bank?" "Die Bank ist dort." Meine Mutter antwortetee höflich: "Danke, wir gehen erst einmal zur Tante." Dann kamen wir an und wir gingen in die Wohnung. Der Großonkel bot mir erst einmal Frühstück an, ich war so aufgeregt, dass ich kaum etwas herunter bekam. Mein Großonkel machte dann für uns erst einmal den Fremdenführer. Ich sah so viele Läden, Autohäuser etc. Vom Spaziergang zurück gekommen, nahmen wir das Mittagessen ein. Dann ging der Touristentrip für mich in Begleitung des Großonkels auf den Kurfürstendamm. Dort waren sehr viele Menschen und er fragte mich, wo denn die Trabbis alle her kommen würden. Ich sagte es ihm. Und dann kam ein Lanz Bulldog, den ich, obwohl ich ihn nur aus Büchern kannte, als Lanz Bulli mit 11 PS identifizieren konnte. Mein Großonkel spendierte mir ein paar neue Schuhe und der Tag ging zu Ende. Am nächsten Tag stiegen wir in den Audi meines Großonkels. Der Typ 44 hatte mich beeindruckt, man war so abgeschirmt von der Umgebung. Er steuerte eine Bank an, die er kannte, so dass wir unser Begrüßungsgeld in Empfang nehmen konnten. Dann blieben wir bis zum Kaffee und wir verabredeten uns für Weihnachten. Ich hatte jetzt nur noch das Problem, wie ich denn der Klassenlehrerin mein Fernbleiben erklären sollte. Wir entschlossen uns dazu, die Wahrheit als Entschuldigung zu schreiben und ich bekam wirklich, nach Abstimmung in der Klasse, keine unentschuldigte Fehlzeit eingetragen. Nun hatte ich diese für mich fremde Welt das erste Mal betreten, die mir vorher so unerreichbar schien.

Ich persönlich habe mich besonders darüber gefreut, dass ich durch die Ereignisse 1989 2013 die Möglichkeit hatte, für zwei Monate ein Praktikum in den Niederlanden zu absolvieren, das wäre bei nicht veränderten politischen Verhältnissen nicht möglich gewesen. Nur meinem Großonkel konnte ich nicht mehr von dieser Erfahrung berichten, da er schon länger nicht mehr lebt.

Gruß Andreas
 
Hallo, Andreas,

dein Bericht lässt uns die Ereignisse von einer sehr persönlichen Warte miterleben. Vielen Dank dafür!

Mich wundert, dass die anderen Schüler anscheinend ganz normal zur Schule gegangen sind.

Gruß, Antje
 
Andreas, Deine Schilderung hast Du so lebendig geschrieben. Man kann es fast miterleben. Ja so war es damals für viele Menschen im Osten.

Uns zog es nach dem Mauerfall nicht sofort in den Westen. Für uns war die neu gewonnene Freiheit wichtig: wenn wir wollen - können wir!

Ich war das erste Mal im Westen fast auf den Tag genau 4 Wochen nach Grenzöffnung.
Ich musste immer in der ersten Woche jeden Monats zum Baustellenrapport nach Berlin. Wir stellten betimmtes Interieur für Hotelneubauten her.
Normalerweise besorgte ich nach der Sitzung immer ganz banale Sachen, die es nur in Berlin gab: H-Milch und Karamelmilch waren bei unseren Kindern heiß begehrt. Manchmal erwischte ich in der Kaufhalle am Alex auch Südfrüchte, die wir in der Provinz (Halle/S. - viertgrößte Stadt der DDR) höchstens kurz vor Weihnachten mit stundenlangem Anstehen zugeteilt erwerben konnten. 
Heute kaum noch zu glauben, auch Tomatenketschup und Blumenzwiebeln, Gewürze wie Ysop, Oregano und Rosmarin brachte ich aus Berlin mit, und die Autoersatzteile für meinen alten Saporosch bekam ich auch nur in der Nähe des Checkpoint Charlie. Da bin ich schon mal mit einer kompletten Auspuffanlage auf den Schultern zum Zug gewandert.

Nun war die Grenze offen und ich spazierte das erste Mal nach Westberlin. Erstmal ohne Geld, ich wollte ja nur gucken. Dann tauschte ich doch  (Im Zentrum Westberlins gab es damals jede Menge Wechselstuben): 100 DDR-Mark = 10 D-Mark, ein Vermögen. Das war etwa 1/8 meines Monatseinkommens als Ingenieur. Für ein paar Leckereien für die Kinder war es trotzdem o.K.Unser Begrüßungsgeld holten wir uns dann aber doch noch, es war ja unser "Recht".
Mitte Dezember fuhr ich mit meinen beiden älteren Kindern (damals 14 und 10 Jahre) ein paar Tage nach Langen/Hessen zu Bekannten. Wir waren eingeladen und erfuhren, dass das Land Hessen und die Gemeinden noch einen Zuschlag zum Begrüßungsgeld zahlten. Pro Person gab es 180,- DM für Nichts. Da meine Frau und unser Baby nicht mit waren, baten wir die Beamten um Nachsicht und erhielten insgesamt 900,- DM Begrüßungsgeld. Weil wir durch die Einladung der Bekannten kein Geld brauchten, kauften wir uns davon das erste Westauto - einen Ford Taunus, ca. 10 Jahre alt. Viele Grüße
Winfried

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Hallo Antje,

schön, dass meine Schilderung Gefallen gefunden hat. Zu dem Schulverweigern ist zu sagen, dass eine damalige Klassenkameradin ebenfalls nicht in der Schule anwesend war. Auch sie hatte Verwandschaft im Westen von Berlin. Aber diese Neugier auf Neues habe ich mir zum Glück erhalten und so bin ich 2013 über ein ESF-Projekt für zwei Monate in die Niederlande gefahren, was auch eine schöne Erfahrung war. Diese Erfahrung hätte ich ohne die Grenzöffnung nicht machen können.

Gruß Andreas
 
Hallo Winfried,

oh, 900 DM hört sich ja viel an,aber, wenn es eine Extraregelung gibt, warum dann das Geld nicht nehmen. Ich frage mich nur, wie die DDR bei der herrschenden Devisenknappheit die Reisewelle finanzieren wollte/sollte. Es ist schon komisch, dass man ohne Geld in den Westen gefahren ist.

Gruß Andreas
 
Hallo Andreas,

es war damals eben so. Wir hatten keine DM und sind dann mit unserem alten Auto ohne einen Pfennig losgefahren. Benzin haben wir ausreichend in Kanistern mitgenommen, ein paar Bier und für die Kinder Brause. Dann hatten wir noch paar Geschenke für unsere Bekannten dabei, das war alles.
Es war schon etwas eigenartig, dass wir uns haben einladen lassen. Aber wir hatten eben nichts, was wir zu Westgeld hätten machen können.
Das Begrüßungsgeld war dann wie ein Heiligtum, das man eigentlich nicht ausgeben wollte.
Bis Anfang März 1990 haben wir die 900,- DM nicht angerührt, erst als wir uns zur Übersiedlung entschlossen hatten, haben wir davon den Ford Taunus gekauft um mobil zu sein.

Viele Grüße
Winfried

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Hallo Winfried,

darf man mal fragen, wie es so mit dem Saporoshez war? Hat man den ohne Anmeldung bekommen? Und wie lange fuhr denn der Taunus bei Euch? Mein Vater hat 1990 einen Rekord E Caravan erworben, ein ehemaliges Firmenauto vom Cousin, 150000 km hatte der 2,3 Diesel auf der Uhr und mein Vater hat bis Ende 1993 250000 km damit abgespult, dann wurde der Rekord gegen einen Omega A getauscht. übrigens, wusstest Du, dass es in Berlin auch einen botanischen Garten gibt? Ich verlinke Dir die Website.

Gruß aus Berlin

Andreas

http://www.bgbm.org/
 
Hallo Andreas,
ich glaube, wir schweifen jetzt endgültig vom Thema dieses Threads ab. Trotzdem kurze Antwort.

Ich kaufte den SAS966, Baujahr 1971, im Jahre 1983 für 8000,- Ostmark. Das lag nur knapp unter dem Neupreis, trotzdem ein Schnäppchen. Für einen gleichaltrigen Trabbi bezahlte man schließlich oft mehr als Neupreis.
Es war immer Improvisation gefragt um den Sapo am Laufen zu halten.

Hier ein Schappschuss aus einem Video auf Youtube: (Klick aufs Foto)

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Danke für den Tipp mit dem BG Berlin Dahlem. Wir waren noch nicht dort, aber vielleicht kommen wir ja mal wieder nach Berlin.

Viele Grüße
Winfried

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Ihr dürft gerne vom Thema abkommen
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Ein freundliches Hallo in die Runde!

Fred Lang, Admin des Forums "BUCH AUF REISEN", hat mich gebeten hier diesen interessanten Beitrag zu lesen und vielleicht auch etwas dazu anzumerken. Das will ich gerne tun.
Millionen von Menschen profitieren inzwischen vom Mauerfall und sind glücklich, dass es so gekommen ist. Auch wenn leider immer noch  nicht wenige Menschen wünschen, dass es eine noch höhere Mauer geben sollte. Aber das sind Egoisten und Schwarzseher. Die sehen nur ihre kleine Welt und haben ein kaltes Herz.

Vielleicht ist in diesem Zusammenhang das "Buch Brücken bauen. Mauern einreißen - Kunst & Buch - 25 Jahre Mauerfall", in dem auch ich mit einer kleinen Geschichte vertreten bin, von Interesse.

Hier eine kurze Inhaltsbeschreibung:
"Klopfende Herzen, feste Umarmungen und knatternde Trabis – das kommt all denen bekannt vor, die am 9. November 1989 den Fall der Mauer hautnah miterlebten oder in den Medien verfolgten. Auch 25 Jahre später hat der historische Tag nichts an Bedeutung und Emotionalität eingebüßt.
Wir sind der Meinung, dass jede einzelne Erinnerung an diese Zeit wichtig ist und riefen anlässlich des Jubiläums im Jahr 2014 dazu auf, persönliche Geschichten und Momente mit uns zu teilen. So wurden viele Menschen unverhofft, schnell und ganz unkompliziert zu Autorinnen und Autoren in diesem Buch, ganz im Sinne des Self-Publishings. Die Beiträge bieten einen spannenden und emotionalen Rückblick auf die Geschichte der deutschen Teilung, der vielfältige Denkanstöße liefert."


Viele Grüße aus Leipzig!
Christine
 
Hallo Christine,

schade, dass ich davon nicht früher erfahren habe, denn ich hätte vieles über meine und die Geschichte unserer Familie zu erzählen gehabt.

Unsere Familie ist geprägt von Flucht bzw. Vertreibung. Nicht nur die Vertreibung aus Ostpreußen, auch von den wenig bekannten Verfolgungen der Russland-Deutschen in der Ostzone nach dem 2. Weltkrieg.
Viele Erlebnisse aus meiner Zeit als engagierter DDR-Bürger in den 80er Jahren, der auch als Kommunalpolitiker aktiv wurde und sich dadurch zu einem großen Kritiker dieses Systems werden ließ, wären bestimmt schreibenswert.

Danke für den Tipp.

Viele Grüße
Winfried

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